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Evangelische Kirche A.B. in Kronstadt

Historischer Rückblick

Die heutige evangelische Stadtpfarrgemeinde A. B. in Kronstadt - seit bald einem Jahrhundert nach dem Reformator der Siebenbürger Sachsen Johannes Honterus (1498 - 1549) - Honterusgemeinde genannt, blickt auf eine achthundertjährige Geschichte zurück.
Im Jahre 1211 wurde das Burzenland - der südöstlichte Teil Siebenbürgens - dem Deutschen Ritterorden verliehen, der deutsche Siedler herbrachte und auf dem heutigen Stadtgebiet von Kronstadt drei Siedlungen anlegte. Schon im Jahre 1213 ist in einer Urkunde von Geistlichen und Zehnten im Burzenland die Rede, was auf eine beginnende kirchliche Struktur schließen lässt, als deren Oberhaupt im Jahre 1223 ein Dechant eingesetzt wurde. Das "Decanatus Brassoviensis" wird 1295 erstmals in den erhaltenen Urkunden genannt. Allerdings ist in der älteren urkundlichen Überlieferung mehr von den Geistlichen die Rede.
Der erste namentlich bekannte Stadtpfarrer wird im Jahre 1336 als "Michael, decanus de Brasso et plebanus de Corona" bezeichnet. Erst fast ein Jahrhundert später, im Jahre 1427 werden erstmals auch drei weltliche Vertreter der Gemeinde genannt: "procuratores et vitrici" (Rechtsvertreter und Kirchenväter). In einer Urkunde von 1464 wird magister Petrus, vitricus ecclesiae (Kirchenvater) genannt.

Die älteste erhalten gebliebene Kirchenrechnung stammt aus dem Jahre 1529 und weist die Kirchengemeinde als selbstständige Institution aus, die sogar dem Stadtrat größere Summen Geld leiht. Die rechnungsführenden Kirchenväter waren gleichzeitig auch Ratsherren. Als Einkünfte werden die Spenden aus den Opferkästen und die Begräbnisgebühren, als Ausgaben Reparaturen, Lichter, Materialien für die Glocken und die Uhr verzeichnet.
Im Jahre 1542, also am Vorabend der Reformation, werden zwei Ratsherren, Sigmund Perlhefter und Johann Benkner, erstmals deutsch als  "Kirchenväter" erwähnt, einige Jahre später werden die Kirchenväter wegen ihrer Hauptaufgabe bei den Bauarbeiten an der Kirche "aeditui" (Bauherren) genannt.

Am 27. Dezember 1543 beschlossen der Stadtrat und die Hundertmannschaft (innerer und äußerer Rat) von Kronstadt den Artikel "Von der Schützung der Religion oder unserer Kirchen-Reformation", der 1555 in das "Decretale Coronensium" - das Kronstädter Stadt-gesetzbuch - aufgenommen wurde, womit die im Reformationsbüchlein von Johannes Honterus aus dem Frühjahr 1543 beschriebenen Reformen und Einrich-tungen festgeschrieben wurden.
Die Reformation brachte eine Änderung in der Gemeindestruktur insofern, als weltliche und geistliche Obrigkeit enger zusammenarbeiteten und praktisch der Stadtrat die Verwaltung der Kirchengüter übernahm. Auch weiterhin waren Ratsherren die Kirchenväter. Im Jahre 1544 wurde im Beisein von Honterus ein großer Teil des Kirchenschatzes, der nicht zum gottes-dienstlichen Gebrauch bestimmt war, dem Stadtrat übergeben.
In der Inneren Stadt blieben nach der Reformation außer der Großen Stadtpfarrkirche nur noch die Klosterkirche, die den Ungarn als Gotteshaus diente, und die Spitalskirche in Betrieb. Die Johanniskirche wurde in ein Magazin umfunktioniert und erst seit der Mitte des 17. Jahhrunderts wieder für Gottesdienste benützt.

Eine Besonderheit in Kronstadt stellen die Vorstadt- oder Fililalgemeinden dar. Eine eigene Stellung hatte Bartholomä, von wo ein im Jahre 1560 im Auftrag des Stadtrichters Johann Benkner angelegtes Rechnungsbuch erhalten blieb, das eine eigene Gemeindestruktur mit jeweils zwei Kirchenvätern dokumentiert, die anfangs vor dem Stadtrichter, später vor dem Stadtpfarrer eine jährliche Rechnung über ihre Geschäftsgebarung vorlegen mussten. Ab 1562 ist hier auch  eine aus fünf Mitgliedern bestehende Altschaft bezeugt, also eine Art Kirchenrat.
Weitere Filialkirchen waren die Martinskirche auf dem Martinsberg und die Siechhofkirche in der Blumenau.
Nach dem Beginn der österreichischen Herrschaft mussten die Klosterkirche und die Johanniskirche im Jahre 1716 an die Katholiken abgetreten werden.

Im 18. Jahrhundert machte die österreichische Herrschaft eine neue Gemeindestruktur nötig, da nach der damals eingeführten "Proportio geometrica" die Hälfte der Ratsherren der katholischen Staatsreligion angehören mussten. So bildete sich für die nur evangelischen Belange aus den evangelischen Ratsherren der "evangelische Magistrat" als Leitungsorgan der evangelischen Stadtpfarrgemeinde, der diese betreffende Probleme in eigenen Zusammenkünften erörterte und Entscheidungen traf.
Später wurde im sechsten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts die Consistorialverfassung der Evangelischen Kirche A.B. in Siebenbürgen eingeführt, die eine gleiche Beteilungung der Geistlichen und der Weltlichen an der Leitung der Kirchenangelegenheiten anstrebte. Das Oberkonsistorium war für die Gesamtkirche zuständig, für die einzelnen Kirchenbezirke gab es  je ein "Domestikal-Konsistorium", für die Gemeinden ein "Lokal-Konsistorium".

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entfaltete die evangelische Stadtpfarrgemeinde Kronstadt eine rege Bautätigkeit, um der stark wachsenden Bevölkerung Rechnung zu tragen. So wurde 1773 die Blumenauer sächsische Kirche errichtet, danach 1783 die Blumenauer ungarische Kirche, 1793 die Obervorstädter Kirche und 1795 wurde die Martinsberger Kirche stark erweitert.

Durch die neue Kirchenverfassung von 1861 wurde auf Gemeindeebene das Amt des Kurators eingeführt als Stellvertreter des geistlichen Vorsitzers des Presbyteriums, der aus aus den Reihen der Gemeindevertretung gewählt wurde. Beginnend mit dem Jahre 1860 veröffentlichte das Kronstädter evangelische Presbyterium Jahresberichte, die bis 1871 jeweils ein Jahr umfassen, später für mehrere Jahre herausgegeben wurden.
Aus dem ersten Bericht von 1860 geht folgende Gemeindestruktur hervor:
A. Muttergemeinde - 3.409 Personen
B. Bartholomäer Kirchspiel - 1.916 Personen
C. Martinsberger Kirchspiel - 522 Personen
D. Blumenauer Kirchspiel - 672 Personen
E. Obervorstädter Kirchspiel - 1.245 Personen
F. Blumenauer ev. ungarisches Kirchspiel - 868 Personen.
Die Gesamtseelenzahl betrug 8.632 Seelen.

Im Jahre 1863 wurde "der lang genährte Wunsch der Bartholomäer Tochtergemeinde erfüllt" und diese zu einer selbstständigen Gemeinde erklärt. Die Blumenauer ungarisch-evangelische Gemeinde erscheint 1884 zum letzten Mal im Jahresbericht und wurde im Jahre 1887 von der Stadtpfarrgemeinde abgetrennt und ist seitdem selbstständig.
Im Jahre 1889 wurde ein eigenes Kirchenkassenamt errichtet, daß die zahlreichen Einkünfte wie Kirchensteuer, Schulgelder, Einkünfte von Liegenschaften u. a. zu verwalten hatte und unter der Aufsicht des rechnungsführenden Kirchenvaters stand.

Ein besonderes Jahr in der Geschichte der Honterusgemeinde war das Jahr 1898, als die 400-Jahrfeier der Geburt des Reformators Johannes Honterus (1498 - 1549) festlich begangen  und sein auf die Schule weisendes Standbild vor dem Kirchturm errichtet wurde.
Im Jahre 1900 wird das bisherige Kapitelshaus mit dem Kapitelszimmer auch grundbücherlich mit dem Stadtpfarrhaus vereinigt. Im Jahre 1903 wurde im Obervorstädter Friedhofsgarten das Obervostädter Pfarrhaus gebaut. Im Jahre 1910 wurde das kirchliche Wirtschaftsamt geschaffen, das unter der Aufsicht des "wirtschaftenden" Kirchenvaters stand. In den Jahren 1911-1913 errichtete die Stadtpfarrgemeinde das neue Gebäude des Honterusgymnasiums am Fuße des Rahmenberges.

Der Erste Weltkrieg brachte Siebenbürgen und damit auch Kronstadt unter die neue Staatshoheit Rumäniens. Die Folgen des Krieges hatten auch großen Einfluß auf die Honterusgemeinde, die durch die Agrarreform mit drei Milliarden (damaligen) Lei geschädigt wurde. Um die Enteignung wenigstens teilweise zu verhindern, wurden die Filialgemeinden in Rechtspersonen umgewandelt. Auch die bisherige Schulautonomie wurde in Frage gestellt und das Honterusgymnasium konnte erst nach zehn Jahren Tauziehen mit den Behörden eine Funktionsgenehmigung erhalten. Trotzdem wurden in dieser Zeit große Bauvorhaben verwirklichst: Reparaturen an der Schwarzen Kirche, Sportplatz, Lehrlingsherberge, Kindergarten.
Im Jahre 1925 wurde ein neues Lokalstatut für die Verwaltung der Honterusgemeinde geschaffen.
Im Jahre 1937 wurde die Bewegung "Für unsere Schwarze Kirche" gegründet, die eine großangelegte Renovierung der Kirche begann, die jedoch wegen des Krieges nicht beendet werden konnte.
Nach dem Gesamtabkommen zwischen der Evangelischen Kirche und der Deutschen Volksgrupe in Rumänien war es dem Stadtpfarrer Dr. Konrad Möckel zu verdanken, dass die Honterusgemeinde ihre Liegenschaften nicht übertrug und sie so nach dem Krieg der Kirchengemeinde erhalten blieben.

Der Zweite Weltkrieg  mit seinen  Folgen brachte für die Honterusgemeinde durch die Deportation in die Sowjetunion und Fürsorgeaktionen neue Belastungen sowohl für die Hinterbliebenen der Deportierten, als auch später für die Deportierten selbst, dann durch die Besetzung mehrerer Schulgebäude, sodass die kirchlichen Schulen ihre Tätigkeiten in improvisierten Räumlichkeiten entfalten mussten.
Das Jahr 1948 brachte die Verstaatlichung sämtlicher Schulen der Honterusgemeinde, die sie jahrhundertelang mit großen Opfern unterhalten hatte, und als Folge davon eine neue Organisation des Religionsunterrichts für die Kinder und Jugendlichen.
Als Folge des neuen Kultusgesetzes von 1948 wurde auch eine neue Kirchenordnung der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien geschaffen, die natürlich auch für die Kronstädter Honterusgemeinde gültig war.
Im Jahre 1955 wurde Dr. Otmar Richter (1908 - 1987) zum Kurator der Honterusgemeinde gewählt, der sich fast drei Jahrzehnte lang in besonderer Weise den Angelegenheiten der Kirche widmete. Im Jahre 1958 kam es zur Verhaftung des Stadtpfarrers Dr. Konrad Möckel, des Wirtschaftskirchenvaters Guido Fitz und des Baukirchenvaters Ing. Fritz Roth, die in dem sogenannten "Schwarze-Kirche-Prozess", einem politischen Schauprozess, zusammen mit vielen Anderen offiziell wegen "staatsfeindlicher Tätigkeiten" angeklagt und verurteilt wurden, um die sächsische Bevölkerung einzuschüchtern und dem kommunistischen Regime gefügiger zu machen..

Seither ist dann die Stellung des Kurators der Honterusgemeinde besonders wichtig geworden Er trug auch die Verantworung für die großen Restaurierungen der Schwarzen Kirche in den Jahren 1969-1977 und 1981-1984. Auf Initiative des kunstgeschichtlich hochgebildeten und interessierten  Dr. Otmar Richter gehen auch die Einrichtung der Altar- (1970-1989) und der Teppichrestaurierwerkstätten (1973-1998) im Obervorstädter Pfarrhaus zurück.
Im Jahre 1969 wurde wegen der vielseitigen und gewachsenen Aufgaben der Stadtpfarrgemeinde erstmals das Amt eines Amtsleiters eingeführt, das zwei Jahrzehnte lang bestand und im Jahre 2004 wieder neu besetzt wurde.
Gernot Nussbächer