Evangelische Kirche A.B. in Kronstadt

Geschichte

Die heutige Schwarze Kirche steht an der Stelle einer älteren romanischen Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Mit ihrem Bau wurde im Jahre 1383 begonnen, als die Stadt Kronstadt sich in einer Periode großen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs befand und die bedeutendste Handels- und Gewerbestadt an der Grenze zwischen Abendland und Orient war.

Der Türkeneinfall von 1421 unterbrach die Bauarbeiten an der Kirche, weil die Stadt sich mehr den Verteidigungsbauten widmen musste, sodass sie erst später nach einem stark eingeschränkten Plan weitergeführt wurden. Ein großes Erdbeben 1471 führte dazu, dass der Südturm nicht bis auf seine geplante Höhe gebaut wurde. Das Jahr 1477 kann als Abschluss des Baues der Kirche betrachtet werden, im Jahre 1499 wird eine neue Orgel erwähnt, später wurde noch am Turm gebaut, der 1514 eine Turmuhr und Glocken erhielt. Die Kronstädter Pfarrkirche wurde der Jungfrau Maria geweiht, wovon heute noch das Marienfresko in der Südtorhalle zeugt.

Mitte des 16. Jahrhunderts hielt die Reformation in Siebenbürgen Einzug, die im Wesentlichen durch den Kronstädter Humanisten und Schulmann Johannes Honterus (1498–1549) vorangetrieben wurde. Im Jahre 1542 wurde der erste evangelische Gottesdienst in der Schwarzen Kirche abgehalten und im gleichen Zuge die Nebenaltäre entfernt.

Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts wurde die Kirche von zahlreichen Erdbeben beschädigt, sodass in der Mitte des 17. Jahrhunderts große Sicherungsarbeiten nötig waren.

Der große Stadtbrand vom 21. April 1689 erfasste auch die Pfarrkirche und vernichtete das Dach und die Inneneinrichtung. Seitdem wurde die damals brandgeschwächte Ruine „Schwarze Kiche” genannt. Nachher begannen umfangreiche Renovierungen, die der Kirche im Innern ein barockes Aussehen verliehen. Auch die Emporen wurden zu dieser Zeit eingebaut, um die stark gewachsene Zahl der Gottesdienstbesucher aufnehmen zu können. Mit der Neueinweihung wurden diese Arbeiten im Jahre 1772 abgeschlossen.

In den Jahren 1836–1839 baute die Berliner Firma Buchholz auf der Westempore eine neue große Orgel (rund 4000 Pfeifen, vier Manuale und Pedal, 76 Register).

In den Jahren 1865–1866 errichtete die Wiener Firma Schönthaler den neugotischen Altar nach Plänen des Stadtingenieurs Peter Bartesch, ebenso fertigten sie das Chorgestühl an. Im Jahre 1898 wurde in Erinnerung an den siebenbürgischen Reformator vor dem Südturm der Kirche das Honterus-Denkmal aufgestellt.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erweiterte man die Orgelempore und sicherte das Chorgewölbe durch ein Schließensystem. Später erneuerte man auch die Fialen der Chorstrebepfeiler.

Turm mit restaurierter Uhr

Im Jahre 1937 wurde eine Bewegung ”Für unsere Schwarze Kirche” gegründet, welche umfangreiche Renovierungsarbeiten am Chor ermöglichte und im Zuge derer die Chorstrebepfeilerstatuen erneuert wurden. Aus derselben Zeit stammen auch die Warmluftheizungsanlage sowie die neuen Bänke mit beweglichen Lehnen im Mittelschiff.

In den Jahren 1969–1977 wurden mit Hilfe der staatlichen Direktion für Baudenkmäler große Renovierungsarbeiten durchgeührt und dabei vor allem das Dach und die Südfassade restauriert. Zwischen 1981 und 1984 wurde der Innenraum renoviert und wieder für den Gottesdienstgebrauch hergerichtet. Von 1987–1999 fanden an der Nordseite, an der Westfassade und am Turm Außenrestaurierungen statt, im Jahre 2001 wurden die Renovierungsarbeiten an der Buchholzorgel abgeschlossen.

Gernot Nussbächer