Evangelische Kirche A.B. in Kronstadt

Paramentenschatz

Pluviale (Chormantel) aus rotem Samtbrokat, 15. Jh.

Die Schwarze Kirche in Kronstadt bewahrt neben ihrer bekannten Sammlung osmanischer Teppiche auch zahlreiche liturgische Gewänder aus mittelalterlichen und barocken Luxustextilien. Darunter befinden sich Kaseln, also priesterliche Messgewänder, und Pluvalien, wie sie in der katholischen Kirche etwa zu Weihehandlungen und Prozessionen getragen werden. Nach der Reformation wurden sie in Kronstadt bis in das 19. Jahrhundert hinein auch im evangelischen Gottesdienst angelegt: wohl aus Verbundenheit mit der reichen Hinterlassenschaft und im Sinne eines Bekenntnisses zum Luthertum. Noch im 18. Jahrhundert schaffte man sogar neue Paramente an. Erst jüngst gerieten sie in Vergessenheit.

Die Stoffe, oft reiche Samtbrokate, stammen in der Regel aus den italienischen Seidenweberzentren, einige aber auch aus dem osmanischen Produktionsbereich. Die kostbaren Besätze aus Gold- und Seidenstickerei sind moldauischer, italienischer, mitteleuropäischer und auch örtlicher Herstellung. Neben den kirchlichen Textilschätzen in Halberstadt, Brandenburg und Danzig ist der Kronstädter einer der reichsten Bestände Mitteleuropas und damit für die Kunstgeschichte von größter Bedeutung.

(14./15. Jh.)

In ihrer Vielseitigkeit und Qualität belegen die Gewänder die weite handelsgeschichtliche und kulturelle Vernetzung des siebenbürgischen Patriziats, nicht zuletzt sind sie beredte Zeugnisse eines wirtschaftlichen Aufschwungs siebenbürgisch-sächsischer Städte an der Wende zur Neuzeit. Darüber hinaus kommt ihnen im Rahmen der Weiternutzung konfessioneller Bekenntniswert zu.
Die generelle Fragilität historischer Textilien erfordert heute jedoch höchste Sorgfalt im Umgang mit diesem kulturellen Erbe.
Bereits seine Aufbewahrung führte in den letzten Jahrzehnten zu gravierenden Schäden. Um weiteren Verfall aufzuhalten, gilt es an erster  Gestickte Mantelschließe mit Abendmahlsdarstellung    Stelle, eine angemessene Unterbringung sicherzustellen.

In der Kooperation der zwei Textilrestauratorinnen Geertje Gerhold und Jana Knejf-Fajt sowie der Kunsthistorikerin Dr. Evelin Wetter wurden Konzepte eines Umgangs erarbeitet. Sämtliche Stücke des Bestandes wurden nach ihren Maßen und individuellen Belangen erfasst. Ein auf dieser Basis konzipierter Paramentenschrank wird in einem neuen Depot in näherer Zukunft installiert und mit den kostbaren Textilien bestückt werden können.
Dr. Evelin Wetter